Uncanny Avengers Vol. 1

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Uncanny Avengers war zusammen mit All New X-Men der erste Titel der Marvel Now Welle. Es verspricht eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen den Avengers auf der einen und den X-Men auf der anderen Seite. Dies stellt doch eine deutliche Veränderung der Situation vor AvX dar. Man konnte teilweise den Eindruck gewinnen, dass das Marvel Universum aus zwei getrennten Universen bestand.

Der Start dieser neuen Zusammenarbeit zwischen Menschen und Mutanten wird zugleich mit einem extremen Set Up gestartet. Der Red Skull stiehlt den Leichnam von Charles Xavier und verbindet dessen Hirn mit seinem. Das Ergebnis ist ein Red Skull, der neben seinen eigenen Fähigkeiten auch die telepathischen Fähigkeiten von Professor X sein Eigen nennt. Der Red Skull entführt Wanda Maximoff, um sie für seinen Feldzug gegen die Mutanten zu gewinnen. Was folgt ist seine Invasion Manhattans und die erste Konfrontation zwischem ihm und den neuen Uncanny Avengers.

Neben dieser Storyline konzentriert sich Autor Rick Remender darauf, die Konfliktlinien zwischen den Teammitglieder zu etablieren. Ordnet sich Captain America der Führung von Havok unter? Können Rogue und Wanda Maximoff trotz Ihrer sehr antagonistischen Vergangenheit zusammenarbeiten? Akzeptiert überhaupt jemand die Scarlet Witch, in Anbetracht Ihrer zentralen Rolle in "House of M"?

Remenders Erzählstil erinnert stark an die klassischen Pulps der 20er bis 40er Jahre. Seitdem "Star Wars The Clone Wars" diese Form mit ihrem stark an die Radioserials dieser Zeit erinnernde Erzählweise wieder salonfähig gemacht hat, ist es ein legitimes Instrument zur Vertiefung der Atmosphäre einer Geschichte geworden. Mit Captain America und dem Red Skull stehen auch zwei Figuren im Mittelpunkt, die diesen nostalgischen Anstrich vertragen. Es leidet bedauerlicher Weise der Lesegenuß des Öfteren darunter. Einen Leser, der ein Anhänger der Maxime "do, don’t tell" ist, schmerzen Captions, die ihm erklären, dass ein Charakter nicht tot sei, oder dass der Charakter Captain Americas zu stark für die Verführungen des Red Skulls sei. Remender hat bereits in seinem Secret Avengers Run mit pulpigen Elementen gespielt. In diesem Sammelband treibt er es allerdings auf die Spitze. Freunde deutscher Pulps wie Perry Rhodan oder Madraxx werden sich hier sehr zuhause fühlen. Die Dialoge sind entsprechend überspitzt und drohen manchmal ins unfreiwillig komische zu kippen. Remender schafft es aber immer, dass es hierzu nicht kommt.

Mit John Cassaday und Olivier Coipel bieten Marvel gleich zwei große Namen für die Zeichnungen auf. Cassadys geisterhafter Stil mit seinen klaren Linien wirkt befreit. Seine Stärken liegen eindeutig in seinen Hintergründen. Seine Seite in Uncanny Avengers #2, wo wir die "multiregional training facility" des Red Skulls sehen, wirkt wie eine Mischung aus Roger Dean und Charles Vess. Sein zerstörtes Manhattan aus Nummer drei und vier ist düster und bedrückend. Hier trifft Cassaday eindeutig den richtigen Ton. Seine Figuren sind leider nicht ganz so stark . Es irritiert, dass Rogue und Wanda Maximoff exakt das gleiche Gesicht haben. Sie wirken wie Zwillingsschwestern, die unterschiedliche Kostüme tragen. Einige Winkel scheinen auch unter Zeitdruck entstanden zu sein. John Cassaday ist bekannter Maßen ein langsamer Zeichner und in der Manhattansequenz sieht man dies leider hier und da. Während er zu Beginn noch seine ganze Klasse in Form von regelmäßigen Perspektivwechseln ausspielt, werden die Darstellungen später in ihrer Varianz eingeschränkter. Trotz allem gehört John Cassaday völlig zurecht zu den ganz großen Namen im Geschäft. Er hatte nur im Gegensatz zu seinem Magnum Opus Planetary nicht für jedes Heft sechs Monate Zeit gehabt …

Olivier Coipels Beitrag in diesem Band ist extrem stark. Der Dialog zwischen Sunspot und Wolverine in Tokyo sowie der gesamte graphische Ablauf der Pressekonferenz zeigen sein ganzes Können. Coipel ist ein Meister seines Faches und er liefert bei Uncanny Avengers sehr starke Arbeit ab. Hier heißt die Devise schlicht "lesen und genießen".

Alles in Allem ist der erste Band von Uncanny Avengers ein Fest für jeden, der seine Marvelcomics mit starkem pulpigem Einschlag liebt. Remender setzt insofern die Tonalität seines Secret Avenger Runs fort. Zudem bietet er einen perfekten Einstiegspunkt in das Marvel Universum post AvX.

Uncanny Avengers Vol. 1
von Rick Remender, John Cassaday und Olivier Coipel

Dieser Band ist auch auf Deutsch im Panini Verlag erschienen!

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2 Gedanken zu “Uncanny Avengers Vol. 1

  1. Kolvord

    Hi, finde da ne gute Idee mit den Reviews. Ich bin in DC tiefer drin als in Marvel und steige noch nicht ganz durch wie es nun zusammenhängt mit Marvel Now. Grübele noch wo ich am besten Anfange um auch Avengers und X-men story lines auf den Schlappen zu kriegen und dein Artikel füllt da schon mal ne Lücke, vielen Dank mehr davon. 😉 Ich lese derzeit uncanny X-men und X-men. Man hat dauernd das Gefühl man hat was verpasst wegen AvX. Age of Ultron fand ich dann gut, setzte einfach weniger Vorkenntnisse voraus, hat aber den Nachteil das es nun auch wieder durcheinader geschmissen wird, hach ja…

    • X-Pert

      Hallo Kolvord,
      generell ist aktuell ein guter Zeitpunkt, um bei Marvel einzusteigen. Avengers wie X-Men haben beide einen kompletten Reboot erhalten und laufen parallel. Bei den X-Men sind All New sowie Uncanny X-Men eindeutig die Lead-Titel. All New ist hervorragend und meine Rezension zu Uncanny X-Men poste ich bald. Wolverine and the X-Men ist Jason Aarons höchst amüsanter Versuch einen europäischen Funny mit amerikanischen Superhelden zu erzählen. Ich liebe die Serie. X-Men Legacy lese ich aktuell nicht. Cable & the X-Force habe ich auf meiner Facebook Seite rezensiert. Bei der Relaunchten Uncanny X-Force warte ich aktuell auf den ersten Sammelband. Was ich bisher gesehen habe liest sich allerdings sehr gut.
      Bei den Avengern juckt es mir ehrlich gesagt aktuell auch in den Fingern, da ich schon immer ein Fan der „cosmischen Seite“ des Marvel Universums war. Jonathan Hickman scheint hier tolle Arbeit zu leisten. Ich bin leider bisher nicht dazu gekommen, mir das anzuschauen. Sorry.
      Ich hoffe das hilft erst einmal

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