Wolverine Max Vol. #1

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WMax_1Marvels Max Imprint steht seit vielen Jahren für oft hervorragendes Material, in welchem hochklassige kreative Teams Figuren des Marvel Universums dem selbigen entreissen, um in deutlich auf deren Charakteristika fokussierten Geschichten die Hauptrolle zu spielen. Garth Ennis ist sicherlich das beste Beispiel, hat er doch den historischen Run bei Punisher Max geschrieben. Zudem setzt er gerade dem Kalten Krieg in der aktuellen Fury Max Saga ein Denkmal in der Form retrospektiver Agentengeschichten.

Als die Ankündigung kam, dass Jason Starr eine Wolverine Max Serie schreiben würde, war die Begeisterung groß. Starr ist ein verdienter Autor kleiner literarischer Krimis. Meine persönliche Lieblingsarbeit Starrs ist die allerdings weniger literarische „The Max“ Serie bei Hard Case Crime.  Diese hat er zusammen mit Ken Bruen geschrieben. Wer seine Krimis „over-the-top“ mag, sollte die Romane „Bust“, „Slide“ and „The Max“ gelesen haben.

Als Roland Boschi als Zeichner an Bord kam, war ich allerdings enttäuscht. Boschi hatte gerade erst bei Marvel einige Nummern der von Brian Wood geschriebenen X-Men gezeichnet und hierbei wenig Inspirierendes abgeliefert.

Wolverine Max startet damit, dass Logan der einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes ist. Leider hat er aufgrund des Absturzes sein Gedächtnis verloren. Als einziger Überlebender wird er in Japan erst gefeiert und dann schnell verdächtigt, etwas mit dem Absturz zu tun zuhaben. Wie sich sehr schnell herausstellt, ist dies auch der Fall.

Während Wolverine seine Rolle innerhalb des Unglücks untersucht, bekommt er Flashbacks aus der Zeit des alten Japan. Hier wird die Backstory um den Max Wolverine aufgebaut. Wir treffen alte Bekannte wie Victor Creed und Mariko. Nach und nach kommen die Erinnerungen wieder und wie bei einem Puzzle versteht der Leser die Zusammenhänge.

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Um das Ergebnis vorweg zu nehmen – herausgekommen ist ein lesbarer Comic der Appetit auf mehr macht. Das Skript erfüllt leider nicht die Erwartungen, welche der Name Jason Starr geweckt hat. Dafür sind die Zeichnungen deutlich besser, als erwartet.

Starr sucht noch „seinen Wolverine“. Leider schafft es der erste Band von Wolverine Max nicht, über die üblichen Klischees des wilden Killers mit sanfter Seele hinauszukommen. Die Flashbacks in das feudale Japan sind gelungen und verleihen dem Charakter Tiefe. Es ist vielmehr der diesseitige Wolverine, der enttäuscht. Vieles davon hängt mit der Entscheidung Starrs zusammen, Wolverine am Anfang der Geschichte ohne Gedächtnis auszustatten. Starr reduziert dabei die Hauptfigur auf seine Instinkte. Der Schritt liegt bei Logan nahe, ist doch die animalische Seite eine der Hauptanreize der Figur. Jedoch scheint sich der Charakter durch das Aufkommen der alten Erinnerungen nicht zu verändern. Zu oft wählt dieser Wolverine den Ausweg der Gewalt. Zu oft wählt der Autor die Verfolgungsjagd als Instrument der Fortführung der Geschichte.

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Roland Boschis Zeichnung sind überraschend überzeugend. War seine Arbeit bei den X-Men noch recht amateurhaft, so scheint er bei diesen optisch sehr an independent Comics erinnernden Zeichnung eher in seinem Element. Seine Gesichter sind oft immer noch verschoben, doch was bei den X-Men wie ein überforderter Zeichner wirkte, punktet hier als Teil eines in sich stimmigen Stils. Boschi arbeitet mit dicken Linien und dunklen Flächen. Die dadurch entstehende Atmosphäre wird durch die dunkle Colorierung weiter unterstützt und rundet das Bild ab. Mein einziger Kritikpunkt lautet, dass Boschis Japan nicht sehr japanisch wirkt. Seine Seiten könnten auch an irgendeinem anderen Ort Ostasiens spielen. Hier hätte etwas mehr Liebe zum Detail gut getan.

Die Flashbacks in das feudale Japan wurden von Felix Ruiz gezeichnet. Spannend ist, wie sich der Zeichenstil von Flashback zu Flachback ändert. Erinnern die ersten beiden Flashbacks an Robert Crumbs Zeichenstil, so wirken die späteren Zeichnungen wie durch eine harte Tuschefeder entstanden. Sie sind nervös, eckig und kantig. Besteht der Anfang fast nur aus Wellen, fehlen später jegliche runde Formen. Felix Ruiz liefert hier zwei deutliche Kontrapunkte zu Boschis Seiten. Das Ergebnis beider Zeichner kann sich sehen lassen.

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Wolverine Max will ein Road Movie der Selbstfindung seines Protagonisten sein. Das gelingt ihm und macht Lust auf mehr. Allerdings wurden im Rahmen des normalen Marvel Universum schon deutlich bessere Arbeiten abgeliefert, die Gleichzeitig die Anforderungen der Max Linie erfüllt haben. Erwähnt seien hier der Wolverine Klassiker von Warren Ellis „Not Dead Yet“ oder der Wolverine Run von Greg Rucka. Beide sind als Paperbacks erhältlich.

Wolverine Max Vol.#1 „Permanent Rage“

Von Jason Starr, Roland Boschi und Felix Ruiz

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