Neues T3-Schaufenster: Kunst & Comics

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Einmal durch den Louvre

Von dem großen spanischen Maler und Bildhauer Pablo Picasso ist ein jovial wehmütiges Zitat überliefert:

„Das einzige, was ich in meinem Leben bedauere, ist, keine Comics gezeichnet zu haben.“

Auch wenn das nicht ganz stimmt (die Radierung „Traum und Lüge Francos“ von 1937 ist im Grunde nichts anderes als eine Comicseite) beziehen sich Comicschaffende noch heute auf die Aussage Picassos, um an die historische Verflechtung von Comickunst und Malerei zu erinnern. Aber auch ohne den Verweis auf den berühmten Patron ist die Geschichte der 9. Kunst schon lange auch Teil der offiziellen Kunstgeschichte – von mittelalterlichen Gemälden und Stickarbeiten, die über Bilderfolgen Geschichten erzählten (wie etwa den Teppich von Bayeux) bis zu den Künstlern der Popart wie Roy Lichtenstein, die in den 1960ern die Comicästhetik auf die großen Leinwände übertrugen.

Umgekehrt waren Malerei und Kunstgeschichte schon immer ein gern gewählter Gegenstand in Comicerzählungen – umso mehr als dass sich das Comicmedium durch die ihm eigene Verbindung aus Zeichnung und Text wie kaum ein anderes eignet, um über Maler, ihr Werk und ihre Epoche zu reflektieren.

Im Nachbarland Frankreich wird die Debatte über die fruchtbare Zusammenarbeit von Kunst und Comics längst geführt. So hat das berühmteste Museum der Welt, der Louvre, den Comicverlag Futuropolis eingeladen, seine Künstler ins Museum zu schicken und sich von den ausgestellten Kunstwerken zu Comics inspirieren zu lassen.

Ein Comic aus dieser Reihe, „Einmal durch den Louvre“ von David Prudhomme, ist soeben auf Deutsch erschienen.

Überhaupt erscheinen 2013 so viele Comics, die sich mit Künstler-persönlichkeiten und Kunstbetrieb auseinandersetzen, wie nie zuvor. Die meisten davon bei den Berliner Graphic-Novel-Verlagen Reprodukt und avant. So werden Anfang Juni die norwegischen Künstlerbiografien „Munch“ und „Kurt Schwitters – Jetzt nenne ich mich selbst MERZ“ zwei wegweisende europäische Künstler des frühen 20. Jahrhunderts porträtieren.

Auch wenn er selbst
kein Comickünstler werden konnte, so darf Pablo Picasso in der französischen Comicreihe „Pablo“ selbst zum sequentiellen Helden werden.

Comicstar Joann Sfar lässt sich von den Werken Marc Chagalls zu einer Geschichte inspirieren, die von der Biographie des französischen Malers unabhängig ist und dennoch eng mit ihm verwoben („Chagall in Russland“).

Und die drei Heldinnen in „Die Große Odaliske“ vom Zeichnerteam Vivès / Ruppert & Mulot haben sich auf spektakulären Kunstraub spezialisiert, wobei sie nicht einmal vor dem Louvre zurückschrecken.

In „Die Amateure“ und „White Cube“ setzen sich die gefeierten Enfants Terribles der jungen belgischen Comicszene, Brecht Evens und Brecht Vanderbroucke, humorvoll und selbstreflexiv mit dem modernen Kunstmarkt auseinander.
2013 scheint das Jahr der Kunstcomics oder auch der Comickunst zu werden und daher haben wir zu  diesem Thema ein Schaufenster zusammen gestellt.

Hier die wichtigsten Titel zum Thema „Kunst im Comic“ im Überblick:

Avant Verlag

  • Blotch
  • Chagall in Russland
  • Munch
  • Olaf G.
  • Pascin
  • Schwitters: Merz
  • White Cube

Carlsen Verlag

  • Kiki de Montparnasse
  • Vincent & Van Gogh

Edition Moderne

  • Klee
  • Der Maler der ewigen Porträtgalerie

Knesebeck

  • Egon Schiele

Prestel Künstlerbiografien

  • Dürer
  • Klimt
  • Monet
  • Van Gogh

Reprodukt

  • Die Amateure
  • Einmal durch den Louvre
  • Die große Odaliske
  • Pablo 1
  • An vorderster Front (Van Gogh)
  • Die Zeichnung
  • Der Winter des Zeichners

Schreiber & Leser

  • Der Nabel der Welt
  • Skarbek 1 & 2

In den nächsten Tagen stellen wir einige dieser Titel etwas genauer vor.

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