Point of Impact

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PoI_1Eine junge Frau landet auf dem Dach eines Autos. Der Journalist Mitch Rafferty kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause und überrascht einen Einbrecher, der den Laptop seiner Frau klaut. Kurz danach klingelt es an seiner Haustür und zwei Polizisten eröffnen ihm, dass seine Frau am heutigen Tag gestorben sei. Wahrscheinlich sei es Mord, da der Flugwinkel, in welchem Rafferties Ehefrau vom Dach des Hochhauses „gesprungen“ sei, einen unnatürlichen Verlauf aufweise. Mitchell Rafferty wäre nicht investigativer Journalist, wenn er nicht auf eigene Faust herausfinden wollte, wer für den Tod seiner Frau verantwortlich ist?

Das Medium Comic bietet neben der Novelle oder der TV-Serie den perfekten Rahmen, um Kriminalgeschichten kompakt zu inszenieren. In den letzten Jahren haben Autoren wie Ed Brubaker, Greg Rucka, Andy Diggle oder Stephen Grant dieses Genre besetzt und veröffentlichen regelmäßig gute Bände. Neu hinzugekommen ist Jay Faerber, dessen zweibändiger Streich bei Image, „Near Death“, bereits eine willkommene Ergänzung zu den Arbeiten der oben genannten Kreativköpfe ist. Es zeichnet sich durch eine starke Referenz von 80er Jahre TV-Krimis aus. Mit Point of Impact legt Faerber einen in sich abgeschlossenen Fall vor. Die Struktur der Geschichte ist klassisch angelegt. Man bemerkt, dass Faerber viel für das Medium TV schreibt. Man verfolgt drei Figuren bei ihrem jeweiligen Versuch, das Verbrechen aufzuklären. Die Geschichte ist geradlinig erzählt und steuert gezielt auf seine Auflösung zu. Fast hat man das Gefühl, an einer Folge „Law and Order“ teilzuhaben.

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Der eigentliche Star des Comics ist der türkische Zeichner Koray Kuranel. Point of Impact lebt von seiner eindrücklichen Ästhetik. Der Titel des Bandes könnte auch eine Stilbeschreibung von Kuranels Arbeit sein. Seine Zeichnungen treffen den Leser mit einer ungewohnten Wucht. Alles an den Band ist groß und schwer. Die Panelaufteilung arbeitet vor allem mit großen Rechtecken. Kein einziges Panel steht schief oder ist quergesetzt. Die Häuser wirken erdrückend, die Figuren massiv. Wenn die Panels ausgestaltet sind, dann sind sie vollgestopft mit Details. Die Figuren werden geradezu von Ihrer Umgebung verschlungen. Dagegen wehren sie sich durch ihre immense physische Präsenz. Wenn Kuranel die Charaktere in den Vordergrund stellt, dann arbeitet er mit Close Ups. Dies schafft eine immense Intimität zwischen dem Leser und den Figuren. Die Gefühle der Protagonisten kommen ungefiltert und direkt. Wenn man bei Koray überhaupt eine Schwäche entdecken will, dann sind es seine etwas kantigen Gesichter. Diese sind allerdings die logische Konsequenz des gesamten Stils. Feine Gesichter würden in dieser Umgebung geradezu vernichtet werden.

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Point of Impact erzählt einen klar strukturierten Krimi in einer intensiven Form. Während der ganzen Zeit hält man den Atem an, bedroht von dieser alles verschlingenden Welt. Man kann nur hoffen, dass Koray Kuranel außerhalb seiner Heimat bekannter wird. Er ist jetzt schon ein Meister seines Fachs. Beeindruckend!

Point of Impact, von Jay Faerber und Koray Kuranel

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